Die Klarinette – „mal lachend, mal weinend“

Musikalische Spendenübergabe: Richard Ferret spielte als Dankeschön Klarinette, während Rolf Harms (li.) und Hans-Joachim Langer schon den Scheck bereit halten.

Druidenloge „Marsentreue“ und Musikschule präsentieren Instrument des Jahres 

Großer Applaus war ihnen sicher, denn sie hatten über hundert Gästen einen genussvollen Abend bereitet: Ann-Kristin Harms, Stephanie Grimminger, Sarah Gleisenstein und Björn Balcerek mit ihren Klarinetten sowie Olga Ballmann und Hauke Wortmann am Klavier – alle Mitglieder der Dithmarscher Musikschule. Sie hatten mitgeholfen, das „Geheimnis der Klarinette“ zu lüften, denn so war die öffentliche kulturelle Veranstaltung überschrieben, zu der die Loge „Marsentreue“ Heide im Deutschen Druiden-Orden in den historischen Speicher auf der Museumsinsel in der Dithmarscher Kreisstadt eingeladen hatte. „Loge im Gespräch“ werden diese Art von öffentlichen Veranstaltungen, die zweimal im Jahr stattfinden, genannt.

   

  

 Das vom Landesmusikrat zum Instrument des Jahres 2008 gekürte Blasinstrument war jedoch der eigentliche Star des Abends. Rolf Harms aus Heide, der noch bis ins Frühjahr hinein Präsident des Deutschen Druiden-Ordens war, jetziger Alt-Präsident, präsentierte in seiner geschickten Moderation seine Kenntnisse über die Klarinette, die er sein Leben lang zu gerne selbst gespielt hätte, wozu es aber aus verschiedenen Gründen nie gekommen ist. Immer wieder bezog er auch Richard Ferret in den Ablauf ein, etwa indem er den Leiter der Musikschule bat, zu zeigen, wie die Klarinette mal „lachen“, mal „weinen“ kann. Genau darum ging es Harms nämlich in seinem Vortrag, zu belegen, dass dieses Holzblasinstrument eines der vielsagendsten ist, das in dem breiten Spektrum von ernster Musik bis zum Jazz zu Hause ist. Unter allen Blasinstrumenten sei keines zu finden, dass den Ton „so gut entstehen, anschwellen, abnehmen und verhallen lassen kann“, wie eben die Klarinette. Einmal mehr erwies Rolf Harms damit dem Instrument seine Referenz, denn schon früher hatte er in Vorträgen etwa vor seinen Logenbrüdern sein Wissen und seine Begeisterung für die Klarinette weitergegeben.

Selbst der unerlässliche historische Überblick geriet ihm zu einem spannenden Blick in die Musikgeschichte. Vorläufer habe es bereits in vorchristlicher Zeit gegeben. Im 17. und frühen 18. Jahrhundert sei sie dann von dem Nürnberger Instrumentenbauer Johann Christoph Denner entwickelt worden. Er fügte, so Harms, „der damals gebräuchlichen Chalumeau, einem schalmeienartigen Volksinstrument, eine Überblasklappe und ein schmaleres Mundstück mit schmaleren Blättern zu. Später wurden vor allem das markante Klappensystem und die Ringmechanik weiter entwickelt. Mit Mozarts berühmter Kleiner Nachtmusik unterstrichen die Musiker Harms’ Hinweis, dass sich die Klarinette erst nach 1750 als eigenständiges Orchester- und Solo-Instrument behaupten konnte.

In diesem ausgewogenen Dialog aus Moderation und Musik ging es weiter. Schnabelmundstück, Rohrblatt, Birne und Becher – der Referent ließ im weiteren Verlauf kein technisches Detail unerwähnt. Jeder Gast weiß nun, dass die Klarinette aus dem dunkelbraunen bis schwarzvioletten, sehr harten Holz des afrikanischen Grenadill-Baumes hergestellt wird. Als er A-, B- und Alt-Klarinette unterschied, näherte er sich unauffällig dem eigentlichen Zweck des Abends. Die Besucher wurden um Spenden für eine Es-Klarinette gebeten, die, wie es Richard Ferret in seiner unnachahmlich charmanten Art ausdrückte, die „Klarinetten-Familie“ in der Musikschule komplettieren würde.

Klar, dass Harms noch an das „legendäre Eröffnungsglissando“ von Gershwins Rhapsody in Blue durch den Klarinettisten Ross Gorman erinnerte. Seitdem stehe das Instrument in enger Verbindung mit dem Jazz. Swing, Dixieland, Klezmer – die Klarinette ist aus vielen Musikrichtungen nicht mehr wegzudenken. Schließlich teilte Rolf Harms mit, dass die Gäste im Verlauf der Veranstaltung über 700 Euro gespendet haben. Er ließ diesen Kulturabend ausklingen mit einem Gedicht, das er mal im Radio gehört und sich prompt als Text beschafft hatte. Dort heißt es etwa:

 „Zehn Finger und ein Blatt im Mund
müssen üben viele Stund
bis man als Blasmusiksolist
ein virtuoser Spieler ist.“

Womit Rolf Harms seinen Dank an die Mitglieder, Musiker und den Leiter der Dithmarscher Musikschule für ihre Mitwirkung verband.

Harms besuchte Richard Ferret kurze Zeit später mit dem Vorsitzenden der Loge „Marsentreue“, Hans-Joachim Langer. Beide überreichten ihm die Spende, die von der Heider Loge auf 1200 Euro aufgerundet worden ist – der finanzielle Grundstock für die Anschaffung einer Es-Klarinette. Womit die Instrumenten-Familie der Dithmarscher Musikschule dann vollständig wäre.